72:1 Wie gut ist Gott zu Israel, * zu denen, die aufrichtigen Herzens sind!
72:2 meine Füße aber wären beinahe gestrauchelt, * fast wären meine Schritte ausgeglitten.
72:3 Denn ich ereiferte mich über die Frevler, * da ich den Frieden der Sünder sah.
72:4 Denn sie kennen nicht Rücksicht auf ihren Tod * und Dauer in ihrer Plage.
72:5 in der Mühsal der Menschen sind sie nicht, * und mit den Menschen werden sie nicht gezüchtigt.
72:6 Darum hat Hochmut sie ergriffen, * sie haben sich mit ihrem Frevel und ihrer Gottlosigkeit umhüllt.
72:7 Wie von Fett quoll hervor ihre Schlechtigkeit, * sie gingen einher nach der Laune ihres Herzens.
72:8 Sie ersannen und sprachen Frevel, * unrecht haben sie geredet in ihrem Hochmut.
72:9 Sie haben ihren Mund gegen den Himmel gerichtet, * und ihre Zunge erging sich auf Erden.
72:10 Deshalb wendet sich mein Volk dorthin, * und volle Tage finden sich bei ihnen.
72:11 und sie sprachen: Wie sollte Gott davon wissen, * und gibt es Erkenntnis beim Höchsten?
72:12 Siehe, sie sind Sünder, und sie haben Überfluss in der Welt, * Reichtum haben sie erlangt.
72:13 und ich sagte: also habe ich vergeblich mein Herz gerecht gemacht * und unter Unschuldigen meine Hände gewaschen.
72:14 und ich wurde geschlagen den ganzen Tag * und hatte meine Züchtigung am morgen.
72:15 Wenn ich gesagt hätte: „So will ich reden“, * siehe, dann hätte ich das Geschlecht Deiner Kinder verworfen.
72:16 ich dachte nach, um es zu verstehen; * Mühsal ist vor mir,
72:17 bis ich eintrete in das Heiligtum Gottes * und Einsicht gewinne in ihre letzten Dinge.
72:18 Fürwahr, wegen ihrer Bosheiten hast Du es für sie festgesetzt: * Du stürztest sie, als sie sich erhoben.
72:19 Wie wurden sie zur Öde, plötzlich schwanden sie dahin, * sie gingen zugrunde wegen ihrer Ungerechtigkeit.
72:20 Wie einen Traum der Erwachenden, Herr, * wirst Du in Deiner Stadt ihr bild zunichte machen.
72:21 Weil entflammt ist mein Herz und meine Nieren erregt waren, * wurde auch ich zunichte gemacht und hatte keine Einsicht.
72:23 Wie ein lasttier bin ich vor Dir geworden, * und doch war ich stets bei Dir.
72:24 Du hieltest meine rechte Hand, und nach Deinem Willen hast Du mich geleitet, * und mit Ehre hast Du mich angenommen.
72:25 Was nämlich gibt es für mich im Himmel? * und was außer Dir will ich auf Erden?
72:26 Dahingeschwunden ist mein Fleisch und mein Herz; * der Gott meines Herzens und mein Anteil ist Gott in Ewigkeit,
72:27 denn siehe, die sich von Dir entfernen werden zugrunde gehen. * Du richtest alle zugrunde, die von Dir weg Unzucht treiben.
72:28 Für mich aber ist es gut, Gott anzuhangen, * auf Gott, den Herrn, meine Hoffnung zu setzen,
72:28 um all Dein Lob zu verkünden * in den Toren der Tochter Sion.
